Frühlingstagebuch März

Im Alter von 87 Jahren bricht Heino öffentlich mit seinem einzigen Kind. Sohn Uwe, auch schon über sechzig, habe nach dem Tod von Mutter Hannelore Papa Heino nicht zum Geburtstag gratuliert. Auch zu Silvester oder Weihnachten rufe Uwe nicht an. Der Sohn sei „die größte Enttäuschung seines Lebens“. Totaler Schreckenssatz. Kruppstahlhärte.  Heino ist ohnehin ein […]

Wintertagebuch Februar

Der Monat beginnt mit einer famosen Meldung auf Spiegel Online: »Mann wird wegen Granate aus dem Ersten Weltkrieg im Po notoperiert«. In Toulouse kam ein Patient mit starken Schmerzen ins Krankenhaus und wurde sofort operiert. Als die Ärzte ihn öffneten, fanden sie ein Artilleriegeschoss in seinem Enddarm und riefen den Kampfmittelräumdienst dazu, um die Bombe […]

Wintertagebuch Januar

Der Schnee schluckt alle Geräusche. Am Morgen hängen die Flocken wie ein Mobile in der Luft. Am Abend strecken die Bäume ihre Arme und wollen den Himmel umarmen. Schnee. Überall Schnee […]

Ein besseres Leben

Kann sich irgendjemand vorstellen, wie es wäre, 43 Jahre unschuldig in einem Gefängnis zu sitzen? 43 Jahre lang kein Sonnenlicht empfangen, keinen Horizont sehen, keinen Wind zu hören, der durch die Äste eines Baumes weht?  Ragheed al-Tatari wurde noch unter dem Hafis al-Assad Regime inhaftiert, weil er sich als syrischer Kampfpilot weigerte, demonstrierende Zivilisten aus […]

Wucht, Wehmut, Widerstand

Ich möchte Ihnen einen wunderbaren schlichten Text vorstellen, der 1949 von Bertolt Brecht geschrieben wurde und den Titel Kinderhymne trägt. Er heißt aber nicht deshalb so, weil er für Kinder ist, sondern von künftigen Kindergenerationen gesungen werden sollte. Keine vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg schaute Brecht resigniert auf seine Generation und nannte sie verloren. […]

ich habe keine angst. ich habe gar nichts.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht über die Vergänglichkeit, und immer dichte ich in Gedanken um: Denn jedem Zauber wohnt ein Abschied inne und jedem Abschied Poesie. Das ist meiner Meinung nach die Grundbrühe einer jeden Kunst: Den Tod fürchten oder überleben, ihn verstehen oder bewältigen. Es ist der […]

Die große Kunst der Menschenrechte

Sehr geehrtes Theaterkolumnenpublikum, die Methode mit angeklebtem Schnauzbart und Perücke die Demokratie zu retten, war bislang die wirkungsvollste Form des Widerstands gegen den Faschismus der vergangenen Jahrzehnte. Wirkungsvoller als sämtliche Warnungen, Mahnungen und offene Briefe. Die CORRECTIV-Recherche »Geheimplan gegen Deutschland«, die enthüllte, dass sogenannte brave Bürger Deportationen planten, hat bislang 3 Millionen Menschen zu Demonstrationen in […]

Wo ist unsere Kunst Zuhause?

Liebes Publikum, es war eine Weile still um mich geworden. Aber nicht, weil ich dem Gorki den Rücken gekehrt hätte, sondern im Gegenteil. Monat um Monat veranstalte ich die sehr schöne Reihe namens Mely Kiyak hat Kunst im kleinen Studio des Theaters. Dafür lade ich mir Freundinnen und Freunde ein und wir tun das, was wir am […]

Mit CiaoNow nach Afrika

Juri und ich standen am Rand der Demonstration. »Nie wieder ist jetzt« schallte es durch die Lautsprecher. Ich sagte zu meinem Kumpel, »Hör zu, es ist bald so weit. Sie werden uns deportieren. Glaubst du, wir könnten an der Sache mitverdienen?« In jedem Krieg, jeder Diktatur und jedem autokratisch geführten, korrupten System verdienen sich ein paar schlaue […]