Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Sie können sich vielleicht vorstellen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wie gut es mir gefiel, dass die Sozialdemokratin Marie Juchasz, die als erste deutsche Frau am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung eine Rede halten durfte, nicht im Leben daran dachte, sich für ihre Anwesenheit im Parlament bei irgendwem zu bedanken.

„Was diese Regierung getan hat“, sagte sie, „war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin …

WANN WIRD FÜRSCH PUBLIKUM GEÖFFNÄTT?

Bald, liebe Leserin, lieber Leser, feiern wir meine 100. Theaterkolumne. Bevor der offizielle Jubiläumstrubel beginnt (sind noch fünf Texte bis dahin) wollte ich mich in Ruhe bei Ihnen bedanken.

Sie wissen ja selbst, wie wir hier im Haus sind. Wir nennen es schon lange nicht mehr Fest, wenn wir feiern, sondern Fiasko. Der Whirlpool in der Intendantinnensuite wird randvoll mit Ayran gefüllt – wegen der Hardcore-Muslim_x herrscht im ganzen Haus Alkoholverbot – …

#unheilbar

Am Samstag war ich selbstverständlich auch auf der Berliner #unteilbar Demo und hatte angesichts der vielen Initiativen Integrationsschwierigkeiten. Das Problem habe ich bei jeder Demo. Wo mitlaufen? In welchen Block einreihen?

Am Ende bin ich natürlich bei den Schwulen gelandet. Deren Block wurde von einem Diskowagen angeführt. Aus den Lautsprechern liefen Songs wie 99 Luftballons oder Smells Like Teen Spirit. Demzufolge lief man auch nicht mit, sondern tanzte sich vorwärts. Irgendjemand hatte …

Werden sie uns mit FlixBus deportieren?

Der Witz ist, dass man sich nie öffentlich traut darüber zu spekulieren, wie es wohl sein wird, wenn sie uns eines Tages deportieren. Der Witz besteht natürlich nie darin, dass sie es tun würden, wenn sie es könnten, sondern darin, dass wir uns nicht trauen, es laut auszusprechen. Und zwar aus – bitte festhalten – Pietät. Ihnen gegenüber. Nicht denen gegenüber, die das schon einmal erlebten, denn die sind ja bekanntlich …

Beethovens Vögel überm KZ Mauthausen

Mely Kyaks Theater Kolumne: Beethovens Vögel überm KZ Mauthausen
Diese Woche dachte ich mir, warum nicht einfach von meiner Feuilletonlektüre schwärmen? Ich lese täglich einige Kulturteile. An manchen Tagen sind sie gut. Manchmal nur so lala. Das Feuilleton der ZEIT in der vorletzten Ausgabe war seit langem einmal wieder fabelhaft.

Es begann mit Peter Kümmels super Aufmacher. Er schreibt über Verwandlung, die auf Theaterbühnen nur noch verschämt stattfinde. Der Bühnenkünstler der Gegenwart sei …

Frank Plasberg fahndet nach dem „kleinen Rassisten in uns“ und wird im Moslem fündig. In Chemnitz machen sie den Hitlergruß.

Wer mich kennt, weiß, dass ich einen Talkshow-Spleen habe. Ich muss zwanghaft jede Politsendung in den Öffentlich-Rechtlichen gucken, nur um mir immer wieder selbst zu bestätigen, wie strunzgefährlich sie alle ob ihrer sagenhaft aggressiven Abwesenheit von politischer Bildung sind. Dabei laufen sie unter der Rubrik Informationssendung mit Informationsauftrag: Informationsauftrag bedeutet, dass der Zuschauer etwas lernen soll.

„Steckt in jedem von uns ein kleiner Rassist?“, fragte Frank Plasberg am Montagabend. Ich dachte, Gott …

Menschlichkeit als Kompass

Ich frage mich oft, wie anstrengend es wohl sein muss, sich für Geflohene einzusetzen, bei gleichzeitigem Medien- und Pressekonsum, in denen Politiker quer durch alle Parteien einem unaufhörlich einreden wollen, dass die Aufgabe der Integration nicht zu bewältigen sei, dass sämtliche Kapazitäten in Behörden und Ministerien erschöpft seien, dass die Aufnahme von Flüchtlingen im Grunde genommen keine Herausforderung, sondern eine Überforderung sei – ja, dass man sich ein Riesenproblem aufgehalst …

Ähhm, ääh, lächellächel, hüstel

Riesenmeldung überall. Gauland darf nicht mehr zu Plasberg. Wegen ungehörigen Äußerungen. Warum ausgerechnet diese eine Bemerkung von Alexander Gauland dazu führte, dass Frank Plasberg beschloss, den AfD-Politiker künftig nicht mehr in die Talkshow Hart aber fair einzuladen, ist mir völlig unverständlich. Gauland hatte auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative über die Nazijahre in Deutschland gesagt, dass sie im Vergleich zu „1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ nur ein Vogelschiss seien. Im …

Hitler erlaubt, kurdisches Grammatikbuch verboten

Vergangenes Jahr versuchte ich eine Person zu finden, die gegen die Bezahlung einer größeren Summe bereit gewesen wäre, sämtliche Bücher Abdullah Öcalans in deutscher Übersetzung beim Neusser Verlagshaus Mezopotamien für mich zu bestellen. Natürlich sollte diese Person in keiner Beziehung zu mir stehen. Ich hielt Ausschau nach jemandem, der einen Kauf über einen Strohmann einfädeln würde.

Ich fragte in meinem Freundeskreis herum, doch acht Monate lang gelang es mir nicht, jemanden …

Wandel durch Tomatentunke

Natürlich wäre es schicker, zu behaupten, dass ich ein Appartement direkt an der Ostseeküste besitze, weil es sich unter Berliner Künstlern so gehört, dass man in eine Immobilie auf Usedom oder Rügen investiert, statt in Riester zu machen. Die Wahrheit ist wie so oft unglamouröser. Ich bin deshalb häufig im Norden, weil ich mich in Maik aus Pasewalk verliebte. Später liebte ich Sylvio aus Zinnowitz. Dann war ich verrückt nach …